Extremes are easy. Find Balance.

Ich fühle mich schlecht. Wenn es einem schlecht geht, dann vergeht die Zeit viel langsamer, weil man die ganze Zeit auf ein Ende des Übels wartet, doch gleichzeitig habe ich so viel getan, um meine Gefühle in den Hintergrund treten zu lassen, dass sich heute morgen schon nach einem längst vergangenem Datum anfühlt. Ich fühle mich zerrissen. Timetravelsickness. Bin in zwei Richtungen auf einmal gereist und bin dabei irgendwo in der Mittagssonne zerfetzt. Ich glaube, jetzt haben wir eine geeignete Metapher für meinen Gemütszustand gefunden. Was fällt der Zeit eigentlich ein? Mein Gegenwarts-Ich einfach so zu zerfetzen. Kein Wunder, dass meine Präsenz so grotesk auf andere wirkt. Wer will denn mit Zeitformfetzen einer Persönlichkeit zu tun haben? Ich weiß nicht, ob ich mich in meinem reinen Dasein jemals so schwach und wenig da gefühlt habe wie jetzt.

Wenn wir uns die Menschen mal genauer ansehen, dann gibt es überall eine Linksrechts-Balance. Eine Paarsymmetrie hat deswegen Vorteile, weil es eine Zweiteilung der Kräfte ist. Unsere Augen. Unsere Beine. Sogar unser Hirn.
Einzelbildungen sind Fehlkonstruktionen, sie machen uns angreifbar und wehrlos.
Doch ich denke, dass das nicht nur auf unsere physischen Kräfte zutrifft, sondern auch auf den Rest. Wenn wir alleine kämpfen, dann sind wir schwächer, als wenn wir gemeinsam gegen etwas Krieg führen. Nicht, weil wir nicht genug Kraft hätten. Helden retten jeden Tag die Welt und kämpfen gegen die fiesesten Ungeheuer. Nein, ich meine vielmehr, dass der Einzelkämpfer durch seine bloße allein stehende Position Angriffsfläche bietet – wenn man ihn an der Schwachstelle trifft, dann hat er verloren. Helden kämpfen immer nur mit einem Auge. Trifft der Gegner es, dann ist es aus.
Eigentlich erzähle ich niemandem etwas neues. In jedem Film sind die größten Schwachstellen eines Helden die Liebenden. Aber das finde ich zu einfach. Im Herz schlummern so viele Gefühle und allesamt ergeben die größte Schwäche eines Helden.
Die einzige Möglichkeit, wie sich ein einsamer Kämpfer davor schützen kann, sind Geheimnisse. Niemand weiß, er kämpft alleine. Niemand weiß, dass es überhaupt was zu kämpfen gibt. Niemand.
Erst dadurch ist er unbesiegbar.

Und während ich den Mond mit beiden Händen fest umklammere glaube ich, dass nur der Blick in eine morgendliche, unverbrauchte Sonne mir den Schlaf bringen kann.

Fühle ich mich jemals wieder mehr nach jetzt? Mit Nachdenken ist dieser Frage wohl nicht beizukommen. Auch nicht mit zwei Gehirnhälften.
tumblr_static_ecci3xh50k8cg8g04gococ48s_640_v2

Die Sprache der Schmetterlinge

tumblr_static_tumblr_static_filename_640

Die Seele ist ein Schmetterling. Enttäuscht ist man nur, wenn man Erwartungen hat. Darf man keine Erwartungen ans Leben haben? So gar keine? Muss ein Schmetterling in jeder Klimazone fliegen können? Das übersteigt mein Begriffsvermögen bei weitem.

Ich wäre gerne mehr Candide. Meine Zähne sind von Süßem Zeug verklebt und ich werde heute wohl möglich auf Paul Austers Schinken 4 3 2 1 einschlafen. <Was für ein interessanter Gedanke>, sagt er sich als kleiner Junge, <sich vorzustellen, wie für ihn alles anders sein könnte, auch wenn er immer derselbe bliebe. Ja. Alles war möglich. Sind wir in verschiedenen Welten immer noch der gleiche Mensch? Wenn ihr ein Buch schreiben würdet, in welcher Farbe würdet ihr es covern lassen?

Das Leben besteht aus flatternden Momenten. Wie viele haben wir davon wohl schon vergessen, obwohl sie uns geprägt oder berührt haben? Und wären wir wohl froh oder traurig darüber wenn wir wüssten, was wir alles schon vergessen haben?
Ich glaube ich habe vergessen, dass ich ein ausgezeichneter Schauspieler war, bis ich scheinbar das Interesse daran verlor, jemand anderen als mich selbst zu spielen. Vielleicht wäre ich ja ein Schauspieler geworden, wenn ich nicht immer so sehr auf der Suche nach mir selbst gewesen wäre.
Ich glaube nicht, dass ich, obwenn ich Auster liebe, jemals gut auf einem Hardcover einschlafen könnte, aber ich weiß, dass es von dir ist. Deine Geste ist heute mein Kissen, auf dem ich ruhe.

Vanta ist Argot für nichts – wenn ich ein Buch schreiben würde, dann sollte es für denjenigen verschwinden, der es nur mit den Augen ansieht. Die Flügel deines Geschenks sind Mauve, was in der Sprache der Vögel wohl sowas wie ein Kuss ist. Wenn ich anfange die Liebe zu spielen, dann nur weil ich endlich weiß wer ich bin. Heute ist meine Seele ein schwarzer Schmetterling mit einem Innenleben in Mauve. Ich will auf dir landen wenn dicke Regentropfen mich vom Fliegen abhalten, das tut mir so leid.

Storms in bed, ghosts in us.

Ich unterhalte mich lieber mit meinem Schatten, als mit meinem Spiegelbild. Ist das Pessimismus? Eigentlich ist das auch egal. Das Problem ist nur, dass ich wohl keinen mehr habe. Zumindest befinde ich mich derzeit in einem fragmentarischen Daseinszustand, der mir das Gefühl gibt, als würde etwas von eminenter Bedeutung fehlen, um mich mindestens als „Ganz“ bezeichnen zu können.

Ich will Einfälle haben. Nicht die physischen, die man zum Beispiel dann spürt wenn man keinen Schatten mehr besitzt, sondern die, die man hat. Aber jetzt gehe ich auch nicht mehr mit mir selbst ins Gespräch. Stille ist wie Rauch und ich atme ihn gieriger ein, als deinen Duft. Er füllt meine Lungen anders. Nicht warm, eher kalt. Nicht intensiv, aber mit unaufdringlicher Klarheit. Wie Seeluft…
Ich glaube etwas einatmen zu müssen, um zu erden. Mit der Nase in deinem Nacken fühlte ich mich mit dem Erdmittelpunkt verbunden und es scheint mir, dass es dafür keinen Ersatz gibt. Also inhaliere ich eben einen Fetzen Himmel. Hier oben ist es egal wie weit man von der Erde entfernt ist. In der Luft braucht man keinen Schatten. High in the sky.

280

Manchmal begegne ich Menschen und denke mir Geschichten zu ihnen aus.

Ich habe heute einen älteren Mann gesehen, er müsste so um die 70 gewesen sein. Er saß auf der Bank an einer Bushaltestelle und hatte schneeweißes, kurzes Haar. Obwohl er sich scheinbar zurecht gemacht hatte, war seine Erscheinung sehr trist, sein Jacket camouflierte perfekt mit dem Braun der Bank. In einer Hand hielt er einen Blumenstrauß, in der anderen einen Taschenregenschirm, der aus einem edlen schwarzen Ledergewand herausguckte und einen festen Griff aus Edelstahl hatte. Als der Bus kam, hatte er Schwierigkeiten dabei aufzustehen, aber er sah irgendwie glücklich aus, fast aufgeregt. Die Blumen hielt er fest umklammert als er behäbig, aber eilig, zur Bustür schritt. Es waren nicht einfach Rosen. Es waren ganz viele bunte Blumen, kleine und große, die in lila Papier verpackt waren. Es war kein perfekter Blumenstrauß, eher einer mit Charakter. Als hätte er jede einzeln ausgesucht und ihr einen eigenen Platz zugeteilt und einen Namen gegeben.

Ich will nicht lügen, ich hatte ein nicht unbeträchtliches Interesse daran, wohin es den Herrn wohl verschlägt. Am liebsten hätte ich ein Gespräch mit ihm anfangen, nur um herauszufinden, für wen die Blumen sind.