I don’t have time to be mentally ill right now.

Die Sonne spiegelt sich in riesigen Fenstern stummer Altbauten wieder. Ich höre tote Musik in einem Land vor unserer Zeit, um mich in einem Land nach unserer Zeit halbwegs lebendig zu fühlen, denn ich fühle mich wie ein abgemagerter, strubbeliger, schwarzer Straßenhund. Wenn ich eine Welt bin, dann sind meine Ängste der Regen, der in mir fällt und meine Gedanken das Moos auf den Dächern der Städte. Regen gibt es viel, aber Tränen hat er nicht. Ist das stark wenn es doch einfach nur eine Gesetzmäßigkeit ist? Ich erschaffe in meiner Welt ein Land, eine Kommtvorzone. Das Land nach uns. Hier möchte ich ganz in Ruhe gelassen werden, während der Hund seine kalte Schnauze in Ruinen steckt, die nicht mal ihn was angehen und dabei selber fast zum Fossil wird. Die Sonne geht unter und der Himmel hat keine schöne Farbe. Ich bin mir plötzlich nicht mal sicher, ob ich jemals einen schönen Sonnenuntergang gesehen habe.

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Is losing me even a loss?

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Ich bin zu viel. Zu da. Trotzdem habe ich das Gefühl, nicht richtig existent zu sein. Unsichtbar fühle ich mich zwar nicht, aber ich fühle mich so wenig nach mir selbst, dass sogar eine Reizüberflutung nichts in mir weckt. Ich will immer so viel spüren, aber ich fühle nichts. Ich spüre das Leben, aber nicht den, der es lebt.

Ich lege mich mit dem Leben an, um lebendig zu sein, und äußere dadurch trotzdem nur den Wunsch danach, zu sterben. Wir beide, das Leben und ich, wissen, dass ich trotzdem bleibe, denn sonst würde ich mich ja mit dem Tod unterhalten, und so entsteht ein sehr zynischer Dialog zwischen mir und dem Leben. Das ist für Außenstehende oft verwirrend, denn in vielen Dingen steckt Leben. Zum Beispiel auch in meiner Schwiegermutter, die ich dann ohne mit der Wimper zu zucken beim Kochen scharf kritisiere. Wenn ich mir das genau überlege, dann ist das vermutlich mutiger und rebellischer als jede Mutprobe, die ich je in meiner Jugend machen musste. Und davon gab es so einige, denn besonders damals als Teenager, wo man ohnehin auf der Suche nach der eigenen Identität ist, habe ich Gefahren überall gesucht.

Dann gibt es Menschen, in denen so viel Leben steckt, dass ich sie anbrüllen will. Ihre pure Existenz provoziert mich, weil sie eben so offensichtlich leben, dass es mich fast tötet. Das sind die Menschen, die ich wohl am meisten vor den Kopf stoße. Ich glaube, dass ich mich in so viel Leben irgendwo finden könnte. Obwohl das genau das ist was ich immer wollte, beängstigt mich die Vorstellung plötzlich. Bevor ich mich finde und fühlen kann, müsste dieser laute, unsensible Mensch erstmal sterben, der über die Jahre in mir herangewachsen ist, und die Kraft dafür aus meinen ganzen Wünschen und Träumen geschöpft hat. Nur jene die wissen, wie tief Sehnsüchtige gehen und wie groß Träume sein können, wissen, wie unermesslich stark und lebendig diese tote Persönlichkeit jetzt ist, die seither in mir wütet.